Rollen gestalten – Werde, wer Du wirklich bist!

Rollen gestalten – Werde, wer Du wirklich bist!

Rollen gestalten – Werde, wer Du wirklich bist!

Das funktioniert besonders gut, wenn du deine Rollen entsprechend deinen Werten und Zielen lebst. Falls du unzufrieden in deiner jetzigen Rolle bist, ist dieser Artikel genau das Richtige für dich.

Was Rollen sind und wieso sie wichtig sind erfährst du in meinem letzten Artikel: „Welche Rolle spielst du und wie viele“.

Rollen unter der Lupe

Im Alltag lebst du viele, verschiedenen Rollen mal besser mal schlechter. So gut wie möglich versuchst du den Erwartungen deines Umfeldes gerecht zu werden.

Wirst du zunehmend unzufriedener und unglücklicher, dann ist das genau der richtige Zeitpunkt, deine Rollen unter die Lupe zu nehmen. Bist du bereit?

Rollen Loslassen

Du denkst schon lange darüber nach dein Rollenverhalten zu ändern? Hier habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht für dich.

Zuerst die Schlechte: Es bedeutet für dich, dass du Rollen „Tschüss“ sagen darfst. Das ist ungefähr so, wie in einer schlechten Beziehung.

Dein Kopf sagt dir, dass die Beziehung dir nicht guttut, aber dein Herz sagt dir bleib. Und du leidest weiter. Sobald du dich trennst, tut es zunächst weh.

Im Laufe der Zeit stellst du fest, dass es andere Beziehungen und Menschen gibt, die dir so richtig guttun. Spätestens dann bist du erleichtert, dass du loslassen konntest.

Jetzt die gute Nachricht: Es eröffnet sich dir die Möglichkeit neue oder verschollene Rollen zu entdecken. Vielleicht hast du Zeit für die Rollen, die dir guttun.

„Auf der Bühne des Lebens zwingen dich die anderen Darsteller zu spielen, was deine Rolle verlangt. Erst in der Garderobe kannst du zu dem werden, der du wirklich bist.“

Silvino Alves da Silva Neto

Ein Beispiel aus meinem Coaching

Immer wenn er anrief, weil er Hilfe für seine Kinder brauchte, setzte Claudia alles in Bewegung, damit sie ihre Nichten nehmen konnte. Es war oftmals ein großer organisatorischer Aufwand und gleichzeitig freute sie sich auf die Zeit mit ihren Nichten.

Mit ihren eigenen zwei Kindern, dem Job und dem Haushalt war sie ausgelastet.

Für ihren Bruder da zu sein und ihn zu unterstützen, war ihr seit dem Tod ihrer Mutter wichtig. Als ältere Schwester wollte sie ihm das Gefühl geben, dass sie eine Familie sind und aufeinander zählen können.

Mit der Zeit wurde ihm diese Fürsorge zu viel, weil sie ihn an seine Mutter erinnerte. Er fing an Fehler bei seiner Schwester zu suchen. Egal was sie tat und wie sehr sie sich bemühte, es war falsch.

Nach jedem Gespräch fühlte sie sich schlecht und sie distanzierte sich innerlich von ihrem Bruder. Es passierte das Gegenteil von dem, was sie sich wünschte.

Wie konnte das passieren?

Sie hat unbewusst als Schwester die Mutterrolle eingenommen. Diese Rolle war für sie kräftezehrend. Hinzu kam, dass es ihr an Liebe und Wertschätzung seitens ihres Bruders und seiner Frau fehlte.

Sie beschloss diese Rolle und die Vorstellung von ihrer Familie, wie sie mal war, loszulassen. Obwohl es ihr schwer fiel, sie ein schlechtes Gewissen hatte und traurig war, hörte sie mit all den Nettigkeiten auf. Sie nahm die Kinder nur noch, wenn es in ihren Zeitplan passte.

Mit der Zeit und etwas Übung gewann sie wieder an Leichtigkeit und Unbeschwertheit gegenüber ihrem Bruder, sodass sie heute eine Beziehung auf Augenhöhe führen können.

Ungute Rollen übernehmen

Der Mann packt sich mit schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck an den Kopf: „Ich habe wahnsinnige Kopfschmerzen.“ Die Frau an seiner Seite steht zwar direkt neben ihm, jedoch ist eine deutliche Distanz spürbar. Die beiden schauen sich weder an noch berühren sie sich. Die ganze Art, wie die beiden nebeneinander stehen, strahlt Kälte aus.

Betroffen beobachtet Marie die Beiden. Sie sagt: „Stimmt. Ich erinnere mich gerade daran, wie ich als Jugendliche zur Apotheke gegangen bin, um für meinen Vater Kopfschmerztabletten zu holen.“

Sie nimmt gerade an ihrer Familienaufstellung teil und befindet sich gedanklich in ihren Teenager Tagen.

Marie und ihre Eltern

Marie erzählt uns aus ihrer Zeit als 16-jährige, weil sie daran die stärkste Erinnerung hat: „Meine Eltern haben immer gearbeitet und sich überfordert.

Pausen, Urlaub oder Krankheit gab es für die beiden nicht. Das war noch die Generation, die „mit dem Kopf unter dem Arm“ arbeiten ging. Beide sind früh an einem Herzinfarkt gestorben.

Meine Eltern hatten nie Zeit für uns Kinder. Eine richtige Beziehung konnte mein Vater zu uns nie aufbauen.

Der Vater

Das wundert mich nicht. Schließlich ist mein Vater als Kind von seiner Mutter „verschifft“ worden. Er ist mit einem Schiff, als Sechsjähriger, alleine von Argentinien nach Hamburg gereist.

Dort lebte er mit  Verwandten, die er nicht kannte. Er wohnte mit ihnen in einer kleinen, einfachen Wohnung in einem Arbeiterviertel zusammen. Ein Leben, das nicht einfach war.“

Marie und ihr Traum

Marie ist inzwischen 50 Jahre alt. Sie hat ihren gut bezahlten, sicheren Job als Beamtin im Finanzamt aufgegeben und möchte neu anfangen.

Rollen verändern

In Österreich kauft sie sich ein Bauernhaus mit großem Grundstück. Sie steckt mitten in den Renovierungsarbeiten, schließlich möchte sie ihren Traum leben: Eine Ferienpension für Wanderer, inklusive geführten Wanderangeboten durch sie.

Dieser Traum bereitet ihr zunächst viel Freude. Während der Renovierung stellt sie fest, dass sie pausenlos arbeitet. Pausen, Urlaub oder Krankheit gibt es für sie nicht.

Sie geht „mit dem Kopf unter dem Arm“ auf die Baustelle. Bis sie nach der x-ten schlaflosen Nacht Atemnot bekommt und einen Druck auf der Brust spürt.

Sie steht kurz vor einem Herzinfarkt und hat Todesangst. Ihr wird in diesem Moment schlagartig bewusst, dass sie sich nach dem gleichen Verhaltensmuster wie ihre Eltern verhält.

Wenn das eigene Rollenverhalten klar wird:

In der Familienaufstellung versteht sie, welche Rollen ihre Eltern eingenommen haben und warum sie sich selber überfordert haben.

Die Arbeit war eine Kompensation für die lieblose Ehe. Nun, da sie bewusst wahrgenommen hat, dass sie die unguten Rollen der Eltern übernimmt, kann sie dieses Rollenverhalten verändern.

Gefahr für unsere Rollen

Angesichts unserer Neigung, in bestimmte Rollen zu fallen oder uns in diese drängen zu lassen, besteht die Gefahr, ungute oder allgemein ungute Rollen unreflektiert zu übernehmen.

So könnte es passieren, dass du die Rolle des Prügelknaben, des Klassenclowns, des Außenseiters, der Streberin, der Aufopfernden oder ähnliche übernimmst.

Du bist mit deiner Rolle unglücklich?

Passt deine Rolle zu deiner Persönlichkeit und deinen Werten? Falls nicht, bekleidest du vielleicht bestimmte Rollen und wirst darüber aber unglücklich oder sogar krank.

Hochsensible übernehmen zum Beispiel als „Meister der Anpassung“ oft Rollen, die nicht die ihren sind, weil sie spüren, dass der andere das braucht.

Schreibst du lieber Geschichten anstatt Arztberichte, dann wird dich die Stelle im Krankenhaus nicht ausfüllen. Vielleicht schadet sie sogar deiner Gesundheit. 

Oder du nimmst die Rolle der Rücksichtsvollen ein, um niemanden zu verletzen oder Streit zu vermeiden und gleichzeitig hast du davon nur Nachteile.

Du bist von deiner Rolle vereinnahmt worden?

Eine Rolle kann auch zu sehr vereinnahmen: Das potentiell bunte, vielschichtige Wesen eines Menschen geht vielleicht in den Anforderungen einer Politiker-Rolle unter.

Oder die Frau, die ihre Mutterrolle bereut, weil sie sich durch das Konzept der Rolle (den Konsequenzen, der Verantwortung und Verpflichtung) vereinnahmt fühlt.

Dazu gibt es eine wissenschaftliche Studie von der Soziologin Orna Donath  der Universität Tel Aviv. Sie hat 23 israelische Mütter im Alter von Mitte zwanzig bis Mitte 70 in intensiven Interviews zu ihren Gefühlen gegenüber der eigenen Mutterrolle befragt.

Es sind normale Frauen, die ihre Mutterrolle mit einer anderen emotionalen und kognitiven Haltung bewerten, als der soziale Kontext es verlangt. Mehr dazu findest du in dem Artikel der Süddeutschen: https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/unglueckliche-muetter-sie-wollen-ihr-leben-zurueck-1.2419449-3 

Du wirst von deiner Rolle eingeengt?

Menschen entwickeln sich weiter, das Umfeld verändert sich: Aus beruflichen Rollen wächst du vielleicht heraus – der nächste Karrieresprung oder zumindest eine Veränderung wäre jetzt fällig.

Das Gefüge privater Rollen kann nicht mehr stimmen – vielleicht bist du selbständiger geworden und brauchst den oder die starke(n) Partner(in) nicht mehr.

Die Beziehung gerät in Schieflage, wenn die Rollen nicht neu austariert werden können.

Das Gleiche gilt für Beziehungen aller Art oder zum Beispiel für über lange Zeit gewachsene Familien-Systeme.

Rollen im Familien-System

Der Druck der Familie kann starken Einfluss auf deine Rollengestaltung nehmen. Luisa wächst beispielsweise in einem konservativen Familiensystem auf. Ihre Eltern haben ihrer Tochter nie erlaubt an außerschulischen Aktivitäten teilzunehmen.

Irgendwie hat sie es geschafft, regelmäßig an Jazz und Hip-Hop Kursen teilzunehmen, weil das ihre Leidenschaft ist. Ohne das Wissen ihrer Eltern. Sie hat zu Hause alle Erwartungen erfüllt und sich durch Lügen, diesen und weitere, Freiräume geschaffen. Mit dieser Rolle schaffte sie den Spagat zwischen ihren und den Interessen ihrer Eltern.

Heute hat sie eine eigene, kleine Familie. Eine neue Rolle und ein anderes System. Ihr Sohn hat ihre Leidenschaft geerbt und nimmt neben Ballett- auch Hip-Hop Unterricht.

Als Mutter unterstützt sie ihre Kinder bedingungslos in ihren Hobbys. Für Luisas Eltern unvorstellbar. Ein Streitthema, das wie eine dunkle Wolke zwischen den beiden Generationen und Systemen liegt.

Luisa möchte in ihrer Rolle als Mutter nicht mehr ihre Eltern anlügen. Sie positioniert sich in dieser Sache klar für das neue System und für ihre Kinder und scheut die Auseinandersetzungen mit ihren Eltern nicht.

Ihre Herausforderung besteht darin, die Akzeptanz für das neue System zu etablieren.

Versuchst du allerdings beiden Systemen gerecht zu werden, dann wirst du von deinen Rollen nicht nur eingeengt, sondern bist nicht mehr authentisch.

Rollen mischen

Achte darauf, deine Rollen auseinanderzuhalten: Wenn du die Vorgesetzte nicht klar von der Partnerin abgrenzen kannst, wird diese das vielleicht nicht witzig finden.

Der Vater, der auch der nette Kumpel sein möchte, versäumt es vielleicht seinen Kindern notwendige Grenzen aufzuzeigen.

Die Ehefrau, die ihren Mann bemuttert, verliert möglicherweise in der Beziehung an Augenhöhe.

In Rollen zueinander passen

Der Lehrer, der im Freundeskreis sein breites Wissen zum Besten gibt und andere korrigiert, macht sich nicht unbedingt beliebt.

Wer mit seinen Mitmenschen klar kommen möchte, sollte in vielen Dingen zum Gegenüber passen, auch in den jeweiligen Rollen.

Zum Beispiel wird sich der Arzt, der sich diesen Beruf unbewusst gesucht hat, um dominieren zu können, mit einem Patienten schwertun, der mitreden und –entscheiden will. Beide brauchen ein anderes Rollen-Gegenüber.

In einem anderen Fall kann man mit einem Menschen in einer Rolle gut harmonieren, in einer anderen nicht.

Beispielsweise gibt es Lehrer, die menschlich echt in Ordnung sind und sich engagiert für die Kinder einsetzen und die Kinder den Lehrer deswegen sehr mögen.

Dafür kommt der  Unterricht allerdings nicht so toll bei den Kids an oder umgekehrt. Der Unterricht ist sehr gut und die Kinder lernen viel, ansonsten meiden die Kids diese Lehrerin, weil sie keinen Draht zu ihnen aufbauen kann.

Rollen ungut ausfüllen

„Und wenn du den Eindruck hast, dass das Leben Theater ist, dann suche dir eine Rolle aus, die dir so richtig Spaß macht.“     

William Shakespeare

Auch das gibt es: Achte darauf, Rollen nicht auf eine bestimmte Art und Weise zu leben, nur weil du glaubst, dass das so sein muss.

Ein Vorgesetzter muss kein autoritärer Antreiber sein und eine Mutter keine „Helikopter-Mama“, die nur um ihren Nachwuchs kreist.

Der Ehepartner muss nicht jede Minute nur mit dem/der Partner/in verbringen, um seiner Liebe Ausdruck verleihen zu können.

Zu viele Rollen haben

Oft ist es nicht so, dass wir zu wenig Zeit haben, sondern eher zu viele Rollen.

Wie zum Beispiel der Ehemann und Vater, der neben seinem Job als Informatiker, die Jugendmannschaft trainiert.

Als Mitglied im Karnevals- und Schützenverein verschiedene Veranstaltungen plant. Seine Eltern versorgt und Mitglied bei der freiwilligen Feuerwehr ist. 

Nicht die Masse macht es, sondern die Qualität. Manchmal ist es sinnvoll, Rollen bewusst abzulegen, um einige wenige achtsam auszufüllen.

Rollen wandeln sich

Wie gesagt, jeder bekleidet in seinem Leben ganz verschiedene und immer neue Rollen. Wenn sich deine Persönlichkeit ändert, müssen sich deine Rollen anpassen oder du brauchst neue.

Das Gleiche kann der Fall sein, wenn sich dein Leben und dein Umfeld ändern. Manche Rollen wirst du dir vielleicht auch bewusst oder unbewusst suchen, weil du spürst, dass du sie brauchst.

Kleiner Rollen-Check!

Hast du Lust auf einen kleinen Rollen-Check?

Nimm dir ein wenig Zeit, einen Stift und ein Blatt und leg los! Schreibe dir alle Rollen auf, die dir gerade einfallen.

Markiere, die Rollen die du in jedem Fall behalten möchtest.

Welche sind dir wirklich wichtig, tun dir gut oder haben einen hohen Wert für dich? Schreibe dazu, warum das so ist.

Finde sie und füge bitte in Stichpunkten Beispiele hinzu.

Diese Fragen können dir dabei helfen:

Verändern sich Lebensumstände und damit auch Rollen? Geht die Arbeitsrolle zum Beispiel in eine Rentnerrolle über? Was kannst und willst du tun?

In welchen Beziehungen „hakt“ es, gibt es Disharmonien oder Streit? Könnte das etwas mit Rollen zu tun haben? Und wenn ja, lassen sich diese Rollen ändern? Wie?

Hast du von etwas in deinem Leben „die Nase voll“? Könnten Rollen dahinterstecken? Und wenn ja, kannst du das Ungute durch die Arbeit an den Rollen ändern? Wie?

Gibt es Rollen, in denen du dich zunehmend unwohl fühlst? Was müsste passieren, damit du dich dort wieder wohl fühlst? Ist das machbar und realistisch?

Gibt es Rollen, die du beenden möchtest? Ist dir das möglich?

Was ist das Ergebnis deiner Checkliste?

Fühlst du dich zu neuen Berufen, Menschen, Orten oder Situationen hingezogen? Könnten Rollen dahinterstecken, die langsam in dir wachsen und gelebt werden wollen?

Schreibe mir an sh@entwickle-dich-selbst.de, was du neues entdeckt hast. Ich freue mich.

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