Diäten & Intuitives Essen: Interview mit Dr. Antonie Post

Diäten & Intuitives Essen: Interview mit Dr. Antonie Post

Diäten & Intuitives Essen: Interview mit Dr. Antonie Post

Selbstakzeptanz, Diäten & Intuitives Essen sind Themen über die ich im Interview mit Dr. Antonie Post rede. Es geht um die innere Haltung, dass jeder auch ohne Diäten das Leben genießen und sich gewichtsunabhängig im eigenen Körper wohlfühlen kann. Curvy Model Maren Kissing, bekannt aus „Ab ins Beet“. Plus-Size-Bloggerin Jana von „Plus Size by Nature“, bekannt aus der Dove-Werbung. Gabi Fresh, Modebloggerin und eine von 50 Influencerinnen für Schwarzkopf machen es vor.

Diese entspannte und selbstbewusste Haltung erfolgreich freizulegen ist nicht selbstverständlich. Für mehr Mut zum Unperfekten braucht es mehr SELBST. Selbstbewusstsein, Selbstwert und Selbstakzeptanz. Dafür steht „Entwickle Dich Selbst“!

Erfahrungsgemäß dauert es seine Zeit, den richtigen Weg zu finden. Einer davon kann auch ohne Diäten, über Intuitives Essen und Selbstakzeptanz führen.

Selbstakzeptanz

Wie sehr das eigene Körperbild das Leben vieler Menschen beeinflusst, spiegelt sich in den täglichen Entscheidungen wider.

Ziehe ich etwas Enges an oder kaschiere ich lieber? Verzichte ich darauf, mit Freunden schwimmen zu gehen, weil ich mich im Badeanzug nicht wohlfühle? Schlafe ich lieber nicht mit meinem Partner, damit er meinen Bauch nicht fühlen muss?

„Respektiere und schätze den Körper, den du hast.“ ist einer der Grundsätze der „Health at Every Size (HAES)“ (Gesundheit in jeder Größe) Bewegung. Das ideale Körpergewicht wird nicht anhand von Diagrammen, Formeln und Tabellen bestimmt. Es geht auch einfacher:

Das „ideale“ Körpergewicht ist das Gewicht, mit dem du dich stark und energisch fühlst und ein gesundes, normales Leben führen kannst.

Selbstwert, Selbstakzeptanz

„Gesundheit bei jeder Größe“ setzt den Fokus auf das Wohlbefinden und gesunde Gewohnheiten, die wichtiger sind als jede Zahl auf einer Skala.

Zu diesem Thema habe ich die Expertin Dr. Antonie Post interviewt.

In ihrem „Iss doch, was du willst!“ Podcast redet sie über ihr Spezialgebiet „Health at Every Size“ (HAES), intuitive Ernährung und die Anti-Diät-Bewegung.

Aus ihrer eigenen langjährigen Diäterfahrung weiß sie, wie schädlich Diäten für die Gesundheit sind.

Im Interview erfährst du wie sie über intuitives Essen zu HAES gekommen ist. Was ihr HAES bedeutet und wie sehr sich dadurch ihr Selbstwert geändert hat.

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Antonie, du bist Ernährungswissenschaftlerin, Wissenschaftsjournalistin, Mutter und Ehefrau. Wenn du dir ein Hashtag geben würdest, welches wäre das?

#diediätkulturkannweg. Dieses Hashtag gebe ich allen meinen Posts bei Instagram. Natürlich dreht sich im Leben nicht alles um Diätkultur oder „Health at Every Size“, aber es ist in allen meinen Lebensbereichen präsent.

Als Ehefrau, dass ich meinen Körper akzeptieren kann, wie er ist. Als Mutter, dass ich ein gutes Vorbild bin. Und natürlich auf der Arbeit, wo ich anderen Menschen dabei helfe Frieden mit dem Essen und ihrem Körper zu schließen.

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Seit wann hast du dich mit dem Thema „Healthy at every size“ selbständig gemacht? Was hast du vorher gemacht?

Ich bin Ernährungswissenschaftlerin. Das habe ich bis 2006 studiert. Danach habe ich in der Lebensmitteltechnologie promoviert.

Ich dachte, wenn ich Ernährungswissenschaften studiere, wenn ich genug weiß über Ernährung, dann werde ich irgendwann das Thema mit meinem Körper und mit meinem Essverhalten lösen. Das ist total nach hinten losgegangen.

Es wurde nicht besser mit dem Studium, sondern eher schlechter. Ich habe mit meinen Professoren Diättipps ausgetauscht und war mit meinen Kommilitoninnen im Diät-Wettstreit.

Ich bin dann quer eingestiegen ins Verlagswesen. Ich habe beim Thieme-Verlag in Stuttgart ein Volontariat gemacht und dort als Wissenschaftsredakteurin gearbeitet. Mit der Geburt meines ersten Kindes habe ich mich als Redakteurin selbständig gemacht.

Ich habe 2015 meinen ersten Blog gestartet, just for fun. Seit 2015 beschäftige ich mich mit intuitiver Ernährung. Ich habe mir gedacht, dass es toll wäre,

  • wenn Essen kein Thema mehr ist,
  • wenn ich alles essen könnte, was ich will,
  • wenn ich einfach frei wäre von Diätzwängen.

Ich hatte immer noch das Thema „Abnehmen“ auf dem Schirm. Ich wollte zwar frei sein, aber trotzdem schlanker werden. Und das hat mich dran gehindert, wirklich in die intuitive Ernährung einzutauchen.

Bis im Mai 2019 war ich so im Bereich „gesunde, achtsame Ernährung“ unterwegs, dass auch viel von meinem „Mama sein“ eingeflossen ist. Es war so eine Art „Achtsam leben für Mütter“-Blog und das Thema „Abnehmen“ war sehr präsent. Ich habe auch viele „gesunde“ Rezepte gepostet: in Richtung Clean Eating/weizenfrei ging das.

2018 hat sich bei mir eine Histamin-Intoleranz manifestiert und da habe ich zum ersten Mal in meinem Leben begriffen, was Gesundheit und Wohlbefinden bedeutet. Im Mai 2018 hatte ich einen allergischen Schock. Danach war der Alltag beschwerlich. Es wusste auch keiner, was los ist.

Es hat über ein Jahr gedauert bis dann die Diagnose Histamin-Intoleranz kam.

In der Zeit habe ich kaum meinen Alltag bewältigt bekommen mit meinen zwei kleinen Kindern. Es war schlimm. Ich hatte Kraft für nichts. Und natürlich auch nicht mehr für Diäten.

Und dann habe ich gemerkt, dass ich das gar nicht mehr machen will. Nicht nur, dass ich keine Kraft mehr hatte, sondern ich habe auch keine Lust mehr die ganze Zeit gegen meinen Körper zu kämpfen. Wenn du Diäten hinter dir lässt, dann bleibt dir nur noch eine Möglichkeit. Du musst intuitiv essen.

So kam ich dann zum intuitiven Essen. Hatte aber immer noch im Hinterkopf, dass, wenn ich es richtig mache, dann wäre ich auch bestimmt schlank. Ich habe mich für ein Programm angemeldet, dass mir helfen sollte in diese intuitive Ernährung besser reinzukommen.

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Sehr schnell habe ich gemerkt: es stimmt irgendwie nicht. Ich kann nicht auf der einen Seite mich selbst lieben und so akzeptieren wollen wie ich bin und auf der anderen Seite abnehmen wollen. Dann habe ich angefangen mich einzulesen. Habe diese ganzen Größen gefunden: Evelyn Tribole, Elyse Resch, Christy Harrison, Jennifer Rollin.

Das sind alles Frauen, die Health at Every Size vertreten?

Ja, genau. Das sind die „Who‘s Who“ des HAES. Ich habe so das Konzept kennengelernt. Das hat dann sofort Sinn für mich gemacht. Dass es nicht meine Schuld ist, dass ich es nicht schaffe abzunehmen, sondern dass es reine Biologie ist.

Das Körpergewicht nicht nur bestimmt wird durch Ernährung, Bewegung und Willenskraft. Sondern, dass da noch hundert andere Faktoren mit reinspielen. Für mich war das sinnvoll. Ich bin angekommen.

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Was ist dein Ziel als Podcasterin und Keynote Speakerin? Was willst du erreichen?

Mich hat das HAES Konzept vom ersten Moment fasziniert. Es ist nicht nur eine medizinisch erprobte, gewichtsunabhängige Anleitung zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden, sondern da steckt eine ganze Bewegung dahinter.

HAES ist bereits in den 1970er Jahren aus der „Fat-Acceptance“-Bewegung entstanden, aber in Deutschland ist es noch völlig unbekannt und das will ich ändern.

Ich hatte sofort den Impuls „das muss raus in die Welt“. Ziemlich schnell habe ich dann gemerkt, dass ich mit meinen Blogartikeln viel zu wenige Leute erreiche. Und während ich überlegt habe, was ich machen könnte, kam auf Instagram eine Werbung „Welcher Speaker-Typ bist du?“.

Normalerweise mache ich nie solche Tests, aber damals habe ich draufgeklickt. Mein Testergebnis war „Weltverbesser“ und im Anschluss wurde mir ein kostenloses Webinar angeboten, wie man eine gute Rede schreibt.

Ich habe mich angemeldet und während ich in dem Webinar saß und mir anhörte, was eine gute Keynote ausmacht und wie man sie aufbaut, dachte ich die ganze Zeit: DAS IST ES!!! DAS IST GENAU DAS, WAS ICH MACHEN WILL!!!

Und das war nicht nur als kleiner Gedanke in meinem Kopf, sondern diese Erkenntnis hat mich regelrecht angeschrien.

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Was macht ein Keynote Speaker?

Eine Keynote ist ein herausragend präsentierter Vortrag mit einer Kernbotschaft, die die Zuhörer inspiriert. Und das ist genau mein Ziel. Ich möchte das Konzept von HAES bekannt machen und Menschen inspirieren, den Mut und die Kraft geben, Diäten hinter sich zu lassen.

Das Leben ist viel zu kurz und viel zu schön, um einen Krieg gegen den eigenen Körper zu führen – denn nichts anderes sind Diäten! – und dabei zu versäumen, das eigene Leben zu leben und zu genießen.

Was genau möchtest du in Bezug auf Diäten und Intuitives Essen ändern? 

Ich möchte, dass wir als Gesellschaft unsere Werte und Glaubenssätze im Hinblick auf das heutige Schönheitsideal infrage stellen und begreifen, dass Körpervielfalt eine wunderschöne Sache ist.

Fettphobie, Body Shaming und Gewichtsdiskriminierung sind zu Themen für mich geworden, gegen die ich aktiv vorgehen will. Mein Podcast gibt mir jetzt schon die Möglichkeit, Menschen zu erreichen, ohne auf einer großen Bühne zu stehen.

Es gibt nur eine Handvoll deutsche Podcasts zum Thema Intuitive Ernährung und mein Podcast ist einer der wenigen deutschsprachigen Podcasts zum Thema Health at Every Size.

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Woran würdest du fest machen, dass du mit deinem Podcast und als Keynote Speakerin dein Ziel erreicht hast?

Dann ist die Diätkultur abgeschafft, die Verbindung zwischen Gesundheit und einem bestimmten Aussehen aufgelöst und wir leben in einer Welt, in der jeder Mensch als wertvoll angesehen werden, egal welches Gewicht, welche Hautfarbe, welches Geschlecht usw. er hat.

Ich denke nicht, dass ich das noch erleben werde. Mein Ziel ist es, Bewusstsein zu schaffen und ich habe jedes Mal eine kleine Schlacht gewonnen, wenn mir jemand schreibt, dass sie*er mit Diäten aufgehört hat, dass meine Post Kraft und Mut geben und dass sie*er Diäten in einem anderen Licht sieht.

Ich will eine gesellschaftliche Diskussion anstoßen und wenn wir kollektiv anfangen, die Diätkultur und die damit verbundenen „Werte“ anzuzweifeln, dann hätte ich schon viel erreicht.

Was war dein erster Schritt, nachdem du entschieden hast, dass du Menschen über Diäten & Intuitives Essen aufklären möchtest?

Ich habe alles gelesen, was ich zu dem Thema finden konnte. Das Gute war: Ich habe zu dem Zeitpunkt einen Artikel für ein Ernährungsmagazin über HAES geschrieben und konnte das als Recherche verbuchen. Dadurch habe ich mich sehr schnell und sehr tief in das Thema reingekniet.

Etwa zeitgleich hat ein bekanntes Abspeckunternehmen eine Abnehm-App für Kinder ab 8 Jahren rausgebracht und das hat mich wütend gemacht.

Und dann? Was hat das in Bewegung gesetzt?

Das hat mich unfassbar getriggert. Mir hat als Kind niemand gesagt, dass ich zu dick sei und abnehmen müsste. Für mich war es ganz normal, dass wenn man anfängt, erwachsen zu werden, dass man auch mit Diäten anfängt.

Und dass das Unternehmen diese Abnehm-App rausbringt, hat mich wütend gemacht, weil die Zielgruppe so jung war und Diäten „normalisiert“. Ich habe eine Woche gekocht vor Wut und dadurch wurde mir klar, ich muss etwas unternehmen dagegen. Ich kann das nicht mehr.

„Health at Every Size“ ist eine Lebensart, von der du überzeugt bist. Was ist Dir dabei wichtig? Worauf achtest du?

Ich habe angefangen, wirklich darauf zu achten, was mir mein Körper rückmeldet und aufgehört, das zu ignorieren. Wichtig war mir, dass es sich jederzeit leicht und natürlich angefühlt hat, die Prinzipien von HAES in mein Leben zu integrieren.

Ich habe mit der intuitiven Ernährung begonnen, also diese Prinzipien praktisch umzusetzen, und etwa zeitgleich angefangen, an meiner Körperakzeptanz zu arbeiten.

Ich habe zum Beispiel aufgehört, negativ mit mir selbst zu reden und bin auf Social Media jedem entfolgt, der mir das Gefühl gegeben hat, nicht gut genug oder schlank genug oder was auch immer nicht genug zu sein.

Außerdem habe ich angefangen, regelmäßig zu meditieren, was mir sehr dabei geholfen hat, mich wieder mit meinem Körper zu verbinden und mich sogar vor kurzem zur Meditationslehrerin ausbilden lassen.

Die dritte Säule von HAES „Bewegung aus Freude“ habe ich erst mal ruhen lassen, weil ich das Gefühl hatte, ich bin noch nicht so weit. Ich achte sehr darauf, was mein Körper mir zurückmeldet.

Ich habe so gut wie jede Art von Sport mit Diäten und Selbstoptimierung verbunden und bin daher erst mal nur spazieren gegangen. Mittlerweile habe ich das Fahrradfahren wieder für mich entdeckt und probiere mich gerade an Hula-Hoop aus. Beides verbinde ich mit meiner Kindheit als Diäten noch kein Thema waren.

Gab es Probleme als du mit dem Thema „Health at Every Size“ in die Öffentlichkeit gegangen bist? Wie bist du damit umgegangen?

Wenn jemand zuhören möchte und an einer konstruktiven Diskussion interessiert ist, dann erkläre ich sehr gerne das Konzept in allen Einzelheiten bis es die Person wirklich verstanden hat. Wenn jemand nur stänkern, shamen oder haten will, dann verschwende ich meine Zeit nicht mit dieser Person.

Diäten, Dr. Antonie Post, Health at Every Size Expertin

Woran misst du deinen Erfolg in Bezug auf deine Aufklärungsarbeit, sowie der neuen Einstellung zu Diäten & Intuitives Essen?

Ich messe den Erfolg an mir. Ich habe mich geändert. Essen hat keine Macht mehr über mich. Ich habe keine Angst mehr vor Familienfeiern oder Weihnachten. Das war früher ein riesen Thema. Da dachte ich: „Oh, Gott. Das passt nicht in meinen Plan.“ Diesen Stress habe ich heute nicht mehr.

Ich bekomme ganz viele tolle Rückmeldungen von (hauptsächlich) Frauen, dass ihnen HAES eine Last von den Schultern nimmt, dass sie endlich verstehen, warum Diäten nicht „funktionieren“ und dass sie endlich eine Alternative haben.

Vor kurzem hat mir eine Followerin geschrieben, dass sie meinetwegen zur Fettaktivistin mutiert ist. Eine Tageszeitung hatte  in einem Bericht ein Bild, dass dicke Kinder beschämt hat. Sie hat einen Leserbrief geschrieben indem sie erklärte, dass das „fat shaming“ und Gewichtsstigmatisierung sind.

Mein Erfolg ist, wenn ich Menschen zum Umdenken anrege und dann am besten noch, wenn sie anfangen zu handeln.

Wie gehst du damit um, wenn die Ergebnisse in Bezug auf deinen Erfolg nicht deinen Erwartungen entsprechen?

Ich reflektiere, was ich mache. Ich hole mir Feedback ein.  Am 1. Januar starte ich einen Gegenentwurf zu allen Diäten in Form einer Selbstfürsorge-Woche. Zudem arbeite ich an einem Online-Kurs, der im Januar startet und Menschen auf ihrem Weg zum Körperfrieden begleitet.

Auch hier werde ich nach Feedback fragen. Da werden dann sicher auch negative Rückmeldungen kommen, aber die nutze ich dann, um mich zu verbessern und weiterzuentwickeln. Das sehe ich als Lernkurve.

Ich lasse mich nicht so schnell entmutigen, wenn ich für eine Sache brenne. Es fließen auch persönliche Erfahrungen ein. Situationen in denen ich mit bestimmten Themen selber Schwierigkeiten hatte, nutze ich als Idee für meine Angebote. Weil ich mir vorstellen kann, dass es vielleicht noch jemanden so geht wie mir.

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Gibt es nach deiner Einschätzung günstige Rahmenbedingen oder Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit ein solches Umdenken gelingen kann? 

Ich denke, dass die Rahmenbedingungen perfekt sind. Themen wie Klimaschutz, Nachhaltigkeit und die Auswirkungen der Corona-Pandemie bewegen unsere Zeit.

Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir innehalten und uns fragen: Was ist wirklich wichtig? Was macht mich glücklich?

Das sieht man einfach auch an der Body-Positivity-Bewegung: Kurvige Frauen feiern ihre Körper im Netz, Werbekampagnen binden ganz selbstverständlich Plus-Size-Models ein. Dicke Frauen, so die Message, sollten sich nicht mehr verstecken.

Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch lange nicht am Ziel.

Was machen nach deiner Einschätzung die Leute falsch, denen das Umdenken in Bezug auf „Health at Every Size“, Diäten und Intuitives Essen nicht gelingt?

Ich glaube, wenn für jemanden die intuitive Ernährung nicht funktioniert, dann weil er sie als Methode zum Abnehmen missversteht oder missbraucht.

Ich habe eine Podcast-Episode aufgenommen (Nr. 5 Mogelpackung Intuitiv Abnehmen), bei der ich erkläre, was intuitive Ernährung nicht ist.

Leider hat sich gerade im deutschsprachigen Raum der Glaube festgesetzt, dass Intuitive Ernährung bedeutet, ich esse, wenn ich hungrig bin und höre auf, wenn ich satt bin. Das sind aber nur zwei Prinzipien und es steckt sehr viel mehr dahinter.

Solange du versuchst über Essen oder Bewegung deinen Körper zu optimieren oder eine bestimmte Zahl auf der Waage zu erreichen, kannst du dir aus Angst vor einer Zunahme nicht die uneingeschränkte Erlaubnis geben zu essen und das wird dich daran hindern, Frieden mit dem Essen und deinem Körper zu schließen.

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Was würdest du mir raten, wenn ich mich auf den Weg mache, dasselbe zu erreichen wie du?

Da gibt es nicht den einen richtigen Weg. Ich würde jedem raten sich mit Ursprüngen der Diätkultur vertraut zu machen.

Voraussetzung ist, die Diätkultur zu durchschauen und zu begreifen, dass dir Diäten niemals das geben werden, was du dir ersehnst. Meist steckt nämlich hinter dem Wunsch nach einem schlanken Körper etwas ganz anderes.

Es geht eher um das Gefühl, das du glaubst, nur erreichen zu können, wenn du schlank bist. Vielleicht willst du geliebt oder akzeptiert werden? Vielleicht willst du dazugehören? Vielleicht willst du selbstsicher sein?

Wenn der eigentliche Wunsch nach einem schlankeren Körper aus einem geringen Selbstwertgefühl resultiert, dann wird sich durch eine Abnahme nichts ändern.

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Hast du noch Tipps, wenn ich noch heute mit HAES starten möchte?

Wenn du heute noch mit HAES anfangen willst, dann habe ich vier Tipps:

  • Frage dich, wozu du schlank sein willst. Welches Gefühl steckt eigentlich dahinter? Willst du geliebt werden? Willst du dazu gehören?
  • Hör auf, deinen und andere Körper zu kommentieren. Stichwort Körperneutralität.
  • Putze deinen Social Media Feed aus und entfolge allen, die dir das Gefühl geben „nicht genug“ zu sein.
  • Behandle dich selbst so wie du deinen liebsten Menschen auf der Welt behandeln würdest und vor allem: Sprich freundlich mit dir selbst.

Bei Health at Every Size kannst du nichts falsch machen und es gibt kein Versagen, wichtig ist nur, dass du anfängst.

Egal wie dein erster Schritt aussieht, er wird genau richtig sein.

Liebe Antonie, vielen Dank für das Interview. Mehr über Dr. Antonie Post, deiner HAES-Expertin, erfährst du hier:

Selbstwert, Diäten, Intuitives Essen, Selbstakzeptanz, Sabina Holz, Coach

Weitere Tipps und Anregungen für mehr SELBST findest du in meinem Blog. Gerne können wir bei einem virtuellen Kaffee über dieses Thema diskutieren. Schreibe mir, was dich zum Thema Selbstwert noch interessiert und wir vereinbaren einen kostenfreien Termin.

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