Burn-Out oder Mental Load?

Burn-Out oder Mental Load?

Burn-Out oder Mental Load?

„Mental Load“ ist kein neuer Begriff. Allerdings prägt er sich in den letzten Jahren wie „Burn-Out in den 70ern. Worin sich die beiden Begriffe unterscheiden und was genau Mental-Load bedeutet erfährst du gleich. Es lohnt sich dran zu bleiben! Du kannst noch „Sieben Tipps“ für deinen Mental Unload mitnehmen.

Was passiert, wenn sich die Aufgaben verdichten? Dein Kopf voll ist, weil du an tausend Dinge denken musst? Ein Beispiel aus meinem Alltag.

Durch meinem Kopf schießen manchmal Gedanken wie Pfeile. Das sieht dann ungefähr so aus:

Mensch, fast vergessen: ich wollte die Power Point Präsentation einmal ausdrucken und auf den USB-Stick ziehen. Habe ich noch Druckerpapier? Oje, bügeln wollte ich auch noch, um die weiße Bluse für die Präsentation zur Hand zu haben.

Die Kinder sind zur Geburtstagsfeier eingeladen. Mit wem könnten sie hin und zurück fahren? Da liegen ja noch die Bücher aus der Bibliothek. Sind wir noch in der Leihfrist?

Ist der Kopf voll oder geht da noch mehr?

Viele kleine organisatorische Fragen, die geklärt werden, um eine Kette von Vorgängen in Gang zu halten oder zu bringen, sind sogenannte unsichtbare Aufgaben. Obwohl sie unsichtbar sind, können sie unseren Kopf zum Überlaufen bringen. 

Was sich genau hinter dem Begriff Mental Load versteckt und wie du wieder Herr bzw. Frau deiner Gedanken wirst erfährst du hier.

Das Geheimnis von Mental Load: Was steckt dahinter?

Einstein: die Formel für mentale Überlastung

Mental Load ist der englische Begriff für „mentale Belastung“ oder „die Last des Dran-Denkens“. Ob im Beruf oder im Privatleben: es gibt neben den sichtbaren Aufgaben eine Vielzahl von unsichtbaren Aufgaben, die mitgedacht werden.

Das beinhaltet das Erinnern, Planen, Ausführen der geplanten Dinge, die getan werden müssen, um dein persönliches und berufliches Leben zu verwalten. Achja, nicht zu vergessen ist die Rücksichtnahme auf Befindlichkeiten und Bedürfnisse in der Familie oder am Arbeitsplatz. Diese gehört ebenfalls zum Mental Load dazu.

Neben tatsächlichen To-do´s, bringen sie ein nicht unbeträchtliches Eigengewicht in die Gesamtsumme aller sichtbaren Aufgaben. Das Gefühl, für alles verantwortlich zu sein, gesellt sich schnell dazu.

Diese Kombination plus die fehlende Regeneration führen zu einer Belastung. Sie wiegt manchmal so schwer, dass sie zu Burn-out ähnlichen Symptomen führen kann.

Mental Load: Burn-Out ähnliche Symptome

Mann in Glühbirne. Wusstest du schon? Mental Load hat Burn-Out ähnliche Symptome

Anders als beim „Burn-out“ ist „Mental Load“ keine Diagnose. Trotzdem ist es eine nennenswerte Überlastung des Gehirns und auch des Gefühlslebens.

Oftmals merkst du nicht, dass du mental belastet bist. Du lebst in dieser Dauerbelastung und glaubst, dass das einfach so ist.

Unter Dauerbelastung können Burn-Out Symptome entstehen.  Das ist das Zeichen, dass der Mental Load so hoch ist, dass er ungesund ist.

Die möglichen Anzeichen einer „mentalen Überlastung“

Emotionale Erschöpfung und Müdigkeit

Ein Erschöpfungsgefühl auf emotionaler Ebene gehört zu den wichtigsten Symptomen. Dieses kann infolge emotionaler, aber auch physischer Anstrengung entstehen. Sobald die notwendige Regeneration fehlt, entwickelt sich infolge der Erschöpfung ein Gefühl der Schwäche und Kraftlosigkeit.

Frustration

Unerfüllbare Aufgaben, unklare Erfolgskriterien und hohe Erwartungen an die eigene Leistung durch andere und sich selbst schaffen hohe Frustration. Trotz der subjektiv großen Anstrengung können die gewünschten Anforderungen nicht erreicht werden. Der Stress, der bei den Betroffenen aus dieser Konstellation entsteht, ist denkbar hoch und verstärkt die Probleme noch weiter.

Schlafstörungen

Die Unfähigkeit, einfach „abzuschalten“, ist ein deutliches Zeichen. Der Geist beschäftigt sich auch während der Freizeit mit beruflichen, privaten To-do´s und Problemen.

Kopfschmerzen, Verspannungen und Schwindel

Verspannungen, die aus permanenter Muskelanspannung infolge von Stress resultieren. Dazu gehören Kopfschmerzen, Schwindelgefühl sowie Bauchschmerzen.

Erhöhte Infektanfälligkeit

Dass Stress das Immunsystem beeinträchtigt, ist bekannt. Keime haben ein leichtes Spiel mit dem gestressten Körper. Hinzu kommt die oftmals ungesunde Lebensweise bei Stress. Nährstoffarme Ernährung und Schlafmangel setzen die Aktivität des Immunsystems zusätzlich herab.

Konzentrationsstörungen

Alle stressbedingten Probleme führen zu nachlassender Konzentration auf Arbeitsaufgaben. Das führt zu Fehlern und zu Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen. Außerdem fällt das Erledigen von Aufgaben besonders schwer und ist kraftraubend.

Mental Load: Betroffen sind Männer und Frauen

Mann und Frau mit Hund mit Kaffeebecher in der Hand. Mental Load heute: Betroffen sind Männer & Frauen

Im Prinzip trifft es Männer und Frauen im gleichen Maße. Was steckt dahinter?

Beide haben das Bestreben den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Gleichzeitig auch den Ansprüchen von denen man meint, dass die Gesellschaft sie hätte.

Die Ansprüche sind oft von den eigenen Eltern oder dem Umfeld geprägt. Gerade bei den Themen

  • Work-Life-Balance,
  • Familienfreundlichkeit für Mütter und Väter,
  • Pflege der eigenen Eltern oder anderer Angehöriger,
  • Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf; auch für Singles und Paare ohne Kinder und Angehörige.

Du lebst vielmehr das, was die eigene Kindheit ausgemacht hat. Weniger das, was du dir vorstellst, deiner Persönlichkeit entspricht und machbar wäre.

Ein ganz klassisches Beispiel dafür ist die Arbeitsteilung im Haushalt. Früher hat Mutter den Haushalt geschmissen und Vater allerhöchstens ab und zu den Tisch gedeckt. Tochter und Sohn halten es in ihren Familien sehr wahrscheinlich nicht viel anders: Sie kümmert sich, er arbeitet zu.

Mental Load Comic von EMMA

Den Begriff Mental Load hat die französische Illustratorin EMMA geprägt. Sie veröffentlichte 2017 einen Comic über die ungleiche Verteilung im Haushalt.

Emma Comic mentale Lase der Hausarbeit

Er handelt von Frauen, die stets an alles denken und viele Arbeiten vorauseilend übernehmen, und von Männern, die nichts dergleichen tun. Leider ist diese einseitige Darstellung statistisch erwiesen.

Emma Comic. Mentale Last Mental Load. Es ist eine nie endende Arbeit. Ermüdend und unsichtbar.

Aufteilung der Hausarbeit in Deutschland

Laut OECD verbringen Frauen in Deutschland im Schnitt 164 Minuten mit Hausarbeiten. Männer hingegen rund 90 Minuten. Im internationalen Vergleich befindet sich Deutschland damit auf einem mittleren Rang.

In Schweden ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen hinsichtlich der Dauer der täglichen Hausarbeit deutlich geringer: Frauen sind rund 95 Minuten tätig, Männer etwa 80 Minuten.

Im Vergleich: Die Realität der Gleichstellung in Europa

Rein formal sind Frauen und Männer in Deutschland gleichgestellt. Trotzdem gibt es deutliche Unterschiede im Privaten und in der Wirtschaft:

  • Frauen verdienen weniger.
  • Arbeiten häufiger in Teilzeit.
  • Sind noch immer hauptverantwortlich in der Kinderbetreuung.
  • Erledigen den Großteil der Hausarbeit.

Laut Eurostat und dem Statistischen Bundesamt kochen und/oder verrichten die Hausarbeit im europäischen Mittel 34 % der Männer.

Der Anteil der Frauen liegt bei 66 Prozent. In Deutschland liegen die Männer bei 29, die Frauen bei 71 Prozent .

Auch Männer kämpfen mit Mental Load

An dieser Stelle möchte ich hervorheben, dass auch Männer mit einem Mental Load zu kämpfen haben. Es ist eine andere mentale Belastung:

Väter zerbrechen sich die Köpfe darüber, ob sie ihre Familie wirklich gut versorgen können. Welche Probleme es bei der Arbeit gibt und ob sie die beruflichen Erwartungen erfüllen können.

Gerechter wird es dadurch nicht. Die Herausforderung besteht darin alte, verkrustete Muster zu durchbrechen:

Unsere Gesellschaft zwingt schon Mädchen in die Rolle von Frauen, die ständig über Aufgaben im Haushalt nachdenken. Jungs in die Rolle von Männern, die viel Zeit damit verbringen, an Arbeit und Geldbeschaffung zu denken.

Ein kleiner Wandel ist aber zu verzeichnen. Laut einer Studie der Boston Consulting Group, die 6500 Angestellte in 14 Ländern befragte, kümmern sich Frauen ab 45 zweieinhalb Mal so häufig um den Haushalt wie ihre Partner. Bei unter 35-Jährigen ist das nur noch eineinhalb Mal so oft der Fall.

Teste dich! – Der «MenCare Fußabdruck»

Auf der Plattform Männer.ch, Schweizer Dachverband der Männer- und Väterorganisationen, können Männer ihren «MenCare Fußabdruck» bestimmen.

Nach Beantwortung von 10 Fragen sehen sie, ob noch ein wenig mehr Engagement im Haushalt erforderlich wäre: www.maenner.ch  

Sieben Tipps für deinen Mental Unload

Du wünschst dir mentale Entlastung? Mit diesen 6 Tipps bringst du Ruhe und Ordnung in dein Gehirn und sorgst für mehr Gelassenheit.

Fünf gerade sein lassen

Eine Redewendung, die hilfreich ist, um dem Perfektionismus eine Pause zu gönnen. Wie gesagt, der Perfektionismus ist dein Anspruch an dich selbst und an dein Umfeld.

Sobald du ihn runterschraubst, lösen sich die vielen Gedanken und Aufgaben drumherum auf.  

Überraschend: Das Ergebnis wird dann nicht schlechter oder besser, sondern einfach anders. In der Praxis könnte das vielleicht bedeuten, dass es einfach mal kein vorbereitetes Abendessen gibt. Dafür alle gemeinsam in der Küche stehen und kochen, oder ausnahmsweise mal etwas bestellt wird.

„Done is better than perfect.“ 

Getan ist besser als (unendliches) Perfektionieren.

Mark Zuckerberg

Aufgaben teilen

Delegieren ist eine der hilfreichsten Fähigkeiten für deine mentale Entlastung. Überlege dir:

  • Welche Themen kannst du komplett abgeben?
  • Was kann dein/e PartnerIn ab jetzt immer machen?
  • Wer hat das immer im Kopf und wie viel Zeit nimmt das in Anspruch? 

Viele Männeraufgaben treten eher sporadisch auf. Zum Beispiel das Auto zum TÜV fahren oder Batterien im Rauchmelder wechseln. Das ist, vom zeitlichen Aufwand, nicht mit dem regelmäßigen Einkaufen oder täglichem Windeln wechseln zu vergleichen.

Wenn die Kinder älter sind, dann kannst du sie auch einbinden!

So lernen sie, für ihre Themen auch Verantwortung zu übernehmen. Beispielsweise den Müll runterbringen oder den Geschirrspüler ausräumen. So etwas kann man rotieren lassen.

Hier sollte auch über Empfindungen gesprochen werden, damit kein Frust entsteht, weil jeder ein anderes Gefühl hat, wann beispielsweise der Müll runter muss.

Akzeptanz & Geduld

Du erleichterst dir und deiner Familie das Leben, wenn du dich nicht einmischst. Arbeite bitte auch nicht nach, wenn etwas nicht genauso umgesetzt wird, wie du dir das vorstellst. Akzeptiere es erst einmal!

Ziehe deine Konsequenzen daraus. Wertschätze, was gut läuft und gib für das nächste Mal genauer an, was du erwartest. Übung macht den Meister!

Liste machen

Das praktische an einer To-do-Liste ist, dass du damit dein Gehirn erleichterst: Raus aus dem Kopf und rauf auf die Liste.

Egal ob Papier und Stift, Klebezettel, Excel, Wandkalender, Familienplaner oder App. Hauptsache du hast einen Überblick über die Themen/Aufgaben, die Prioritäten und Termine.

Gehe deine Liste mit allen Beteiligten durch und klärt gemeinsam:

  • Wer macht was wann? Wer stößt das Thema an?
  • Was ist wichtig, was kann gestrichen werden?
  • Welche Termine stehen an?

So kommt ihr gemeinsam auch mit Unvorhergesehenem zurecht und werdet davon nicht überfahren.

Wochenplanung

Du kannst deine Liste wochenweise mit deiner Familie durchgehen und eine Wochenplanung erstellen. Beziehe deine Kinder auf jeden Fall mit ein, wenn sie alt genug dafür sind. So bleibt ihr regelmäßig im Gespräch und ihr habt die Möglichkeit, die Verteilung der Aufgaben immer mal wieder zu überdenken und neu auszuhandeln.

Die bekannten Einzelschritte sorgen für Transparenz und Wertschätzung. Es kann sogar vorkommen, dass alle am Abendbrottisch sitzen und du ein Dankeschön für das Kochen, Putzen und Einkaufen erhältst, weil allen klar ist, wie viel Arbeit dahintersteckt.

Familienrunde – Retrospektive

Einmal im Monat könnt ihr gemeinsam die letzten Wochen Revue passieren lassen:

  • Wie ist es denn jetzt gelaufen? 
  • Was war gut, was nicht? 
  • Fühlt sich jemand unwohl mit seinen Aufgaben?
  • Hat etwas viel mehr Zeit in Anspruch genommen, als ursprünglich gedacht? 
  • Gibt es Aufgaben, die unfassbar nerven, wie Termine beim Kinderarzt ausmachen?

Normalerweise dauert ein Anruf zur Terminabsprache nicht mehr als drei Minuten. Bei meinem Kinderarzt komme ich erst nach dem x-ten Anruf durch. Das kostet mich manchmal mehr als zwanzig Minuten.

Über solche Dinge kannst du in diesem Rückblick sprechen. Es ändert sich zwar nichts an den nervigen Aufgaben. Möglicherweise die Sichtweise darauf.

Selbstcoaching-Tool

Vielleicht gefallen dir die Tipps ganz gut. Es fällt dir schwer, wirklich loszulassen? Dann beantworte folgende Fragen, um dich zu entlasten.

In dieser Übung wird die Belastung als „Müll“ bezeichnet, den du entsorgen, recyceln oder zum weiteren Gebrauch verschenken darfst. Solltest du Fragen zu diesem Tool haben, dann schreibe mir.

  • Was kannst du entsorgen?
  • Was lässt du weg oder gibst du in andere Hände?
  • Was darfst du sein lassen?
  • Was ist der Preis dafür?
  • Bist du bereit, diesen Preis zu zahlen? Lohnt sich das für dich?

Als Beispiel findest du hier meine Antworten auf diese Fragen:

Was kannst du entsorgen? Meine Überzeugung, dass ich an alles selbst denken und alles selbst erledigen muss.

Was lässt du weg oder gibst du in andere Hände? Einen Teil der Verantwortung.

Was darfst du sein lassen? Mich für alles alleine verantwortlich zu fühlen.

Was ist der Preis dafür? Akzeptieren das Andere die Dinge auf ihre Weise tun. Ansprechen und Aushandeln der Verantwortungsbereiche.

Bist du bereit diesen Preis zu zahlen? Lohnt sich das für dich? Das Ansprechen und Aushandeln der Verantwortungsbereiche ist ein kleiner Energieaufwand, den ich bereit bin zu zahlen.

Wie gehst du mit deinem Mental Load um?

War dir der Begriff Mental Load bekannt? Wie gelingt dir deine mentale Entlastung? Trägst du noch „Müll“ mit dir oder bist du ihn losgeworden? Erzähle mir davon in einem Kommentar oder lass uns in einem kostenlosen Kennenlerngespräch über deine Möglichkeiten der Entlastung reden. Ich freue mich.


 

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