Ella & die 7 Stationen der Persönlichkeitsentwicklung

Ella & die 7 Stationen der Persönlichkeitsentwicklung

Ella & die 7 Stationen der Persönlichkeitsentwicklung

Vielleicht hast Du Dich bewusst für einen Veränderungswunsch in der Persönlichkeit entschieden. Oder Du bist in eine Situation geraten, die unverhoffte Veränderungen in Deinem Leben verursachen?

So oder so ist der Veränderungsprozess für Dich eine Reise ins Ungewisse. Heute lernst Du anhand eines Coaching Beispiels die Stationen der Entwicklungsreise kennen.

Mit dieser Orientierung weißt Du, wo Du gerade Halt gemacht hast. Entdeckst schnell, ob und in welche Richtung Du weiter „fahren“ möchtest und wie lange Deine Reise dauert.

Der Weg ist ein „lohnendes Ziel“!

Entweder steigst Du gezielt in die richtige Bahn, um ein neues Abenteuer zu erleben oder Du wirst unfreiwillig in einen Zug geschubst. Es passiert einfach. Nicht nur der Schreck ist groß, sondern auch die Ungewissheit. Was ist der nächste Halt? Wie kommst Du von dort wieder weg? Was erwartet Dich da?

Ein Beispiel aus dem Coaching: Ella

Ich habe dieses Beispiel gewählt, weil es ein einleuchtender „Klassiker“ ist und Ella eine erfolgreiche Entwicklung gemeistert hat. Was nicht bedeutet, dass Du diesen Weg gehen musst.

Das vereinfachte Beispiel verdeutlicht lediglich die einzelnen Phasen.

Den Blogartikel habe ich mit Ella besprochen und Sie hat Dir ihr persönliches Fazit für die 7. Phase geschrieben.

Du kannst die Phasen überspringen und nur Ellas Geschichte lesen oder umgekehrt.

Der Anfang einer Persönlichkeitsentwicklung

Darf ich vorstellen? Das ist Ella. Mitte 40, sympathisch, sportlich, attraktiv und seit vierzehn Jahren mit Frank verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos und beide widmen sich ihren Karrieren.

Heiligabend 2017 stehen die beiden mit gepackten Koffern im Flur. Sie planen über Weihnachten zu ihren Eltern zu fahren als Frank zu Ella sagt: „Ich kann das nicht mehr. Seit einem Jahr betrüge ich Dich mit einer anderen Frau. Ich ziehe jetzt aus.“

Veränderungsprozesse folgen einem Verlauf

1947 wurde erstmalig von Kurt Tsadek Lewin, einem der einflussreichsten Pioniere der Psychologie, der Veränderungsprozess in seinem Verlauf beschrieben. Diese Stationen der inneren Veränderung durchläufst Du, wenn Du Dich Neuem zuwenden möchtest oder musst.

1. Station: Vorahnung und Sorge – Etwas stimmt hier nicht!

Du kommst immer wieder an persönliche Grenzen und drehst Dich im Kreis. Vielleicht bist Du verunsichert, verzweifelt oder unglücklich. Die erste Vorahnung keimt in Dir auf: Ich sollte was ändern.

Die Nachricht, dass Frank eine Affäre hat, ist für Ella nicht ganz neu. Mehrfach hatte sie ihn darauf und die veränderte Beziehung angesprochen. Er ist diesem Gespräch immer wieder aus dem Weg gegangen. Eine Änderung war erforderlich und Sie nutzte alle Mittel und Wege, um die Beziehung aufrechtzuerhalten. Sie hat sich bis zum Heiligen Abend völlig verausgabt.

2. Station: Schock – Schreck: Du bist verwirrt

Du denkst, dass das nicht wahr sein kann. Im Klartext: Du willst nicht, dass es wahr ist. Du bist verunsichert, verwirrt oder erlebst eine Art Schockstarre.

Obwohl ihr alle eindeutigen Beweise des Ehebruchs vorliegen, wie zum Beispiel Chatverläufe, glaubt sie den Beteuerungen Ihres Mannes: „Jetzt übertreibe nicht, da ist nichts mit dieser Frau. Du interpretierst zu viel rein.“

Mir ist schon klar, was Du jetzt denkst: „Wie kann `Mann/Frau´ nur so naiv sein. Das sind doch die üblichen Ausreden.“ Es ist ganz einfach: „Sie wollte glauben, dass alles in Ordnung ist.“

Als sie das Geständnis von Frank hört, denkt sie: „Das kann nicht wahr sein. Seit einem Jahr rede ich darüber, dass unsere Beziehung sich verändert hat und jetzt an Weihnachten fällt Dir ein, dass Du ausziehen möchtest?!“

Ella, die in Hamburg wohnt, ist zu ihren Eltern nach Düsseldorf gefahren. Als sie nach Weihnachten nach Hause kommt, ist Frank weg. Sie hat mit niemandem außer ihren Eltern darüber geredet und sitzt Silvester alleine zu Hause. Erst Mitte Januar 2018 nimmt sie Kontakt zu mir auf.

3. Station: Verneinung – Verdrängung – Abwehr

Dem Schock folgt die Verdrängung. Du gibst anderen die Schuld. Warum soll ich mich ändern? Nein – das sollen besser die anderen tun. Je mehr Unsicherheit eine Veränderung mit sich bringt, umso stärker ist die Abwehr.

Du willst die Situation in den Griff bekommen und damit Deine emotionale Stabilität wiederherstellen. Nicht selten versuchst Du Hektik und Stress in dieser Phase künstlich zu erhalten, damit Du Dich mit den wesentlichen Gedanken einer notwendigen Veränderung nicht beschäftigen musst.

Ella gibt Frank die Schuld. Weniger für den Betrug, sondern vielmehr, dass er nicht mit ihr geredet hat. Sie kann nicht verstehen, wie Frank zu seiner Entscheidung gekommen ist. Im Grunde hat er es erklärt: „Die Gefühle sind nicht mehr da.“ Diese Erklärung kann sie nicht annehmen. Laufend stellt sie sich die Frage, wie plötzlich die Gefühle nicht mehr da sein können. Wiederholt sagt sie, dass sie glücklich in dieser Beziehung war.

Sie ist noch nicht in der Lage zu erkennen, dass auch sie einen Anteil an der Entfremdung in ihrer Ehe hat. Erst später arbeiten wir folgendes heraus:

1. Ella hat sich sehr auf Frank fixiert und ihm keinen Raum gelassen.

2. Sie hat sich sehr lange das kühle Verhalten von Frank gefallen lassen.

Das Leben geht weiter. Sie geht zur Arbeit und beschäftigt sich mit tausenden Dingen, aber nicht mit den wesentlichen. Wie sollte es weitergehen mit dem Haus, mit der Ehe, seinen Sachen, etc. Stattdessen versucht sie verzweifelt ihren Mann zurückzugewinnen.

4. Station: Rationale Näherung / Frustration

Du siehst die Notwendigkeit der Veränderung zwar faktisch ein, findest noch keine Lösung, die Dich weiterbringt (»Früher war alles besser!«).

Der Druck wird größer. Du willst, dass er aufhört. Zaghafte Veränderungen an unbedeutenden Stellen bringen nicht den gewünschten Erfolg.

Dir kommen Gedanken wie: »Veränderung ist wichtig, aber…«. Oder »Ich will ganz gerne was Neues machen, allerdings …«.

In dieser Phase bist Du noch nicht bereit, Dich zu verändern. Du orientierst Dich nach wie vor an der Vergangenheit und möchtest Deine alten Rituale und Muster nicht loslassen.

Anders gesagt: Du versuchst, mit alten Mustern, eine neue Wirklichkeit zu formen. Das gelingt nur bedingt.

Ella erkennt, dass sie seit ihrem Umzug von Düsseldorf nach Hamburg ihr soziales Netzwerk aus der Familie und dem Freundeskreis ihres Mannes besteht. In all den Jahren hat sie sich nicht um ein eigenes soziales Netzwerk gekümmert, da Frank ihr Mittelpunkt war. Beides ist nun weggefallen.

Sie weiß, dass es ihr gut tun würde sich ein eigenes Netzwerk aufzubauen, aber wie? Sie kann sich nicht vorstellen umzuziehen, neue Freunde zu finden oder alleine in Urlaub zu fahren.

Gleichzeitig versucht Sie sich aus ihrem Tief herauszuarbeiten und ihren Alltag zu meistern. Ihr Kopf ist ein einziges Gedanken-Karussell. Tag und Nacht. Gefolgt von körperlichen Leiden wie Herzrasen, Angstzuständen, Schweißausbrüchen, Nervenzusammenbrüchen, Heulkrämpfen, Schlaflosigkeit.

So kann es nicht weitergehen. Ella schaffte es, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Sie vertraut sich ihrem Hausarzt an und erhält Tabletten zur Beruhigung. Sie trifft sich mit Arbeitskollegen, gestaltet ihre Freizeit und kauft sich ihr langersehntes Motorrad. Ihre Überlebensstrategie? Beschäftigung.

5. Station: Emotionale Akzeptanz – Kann ich das Alte loslassen?

Diese Phase ist die schmerzlichste, gleichzeitig die Wichtigste. Weil Du spürst, dass Du das Alte loslassen solltest, um frei zu sein für das Neue. Man nennt diese Phase das »Tal der Tränen«. Sie ist im Veränderungsprozess eine Art Reinigungsstufe oder Katharsis.

Das Gehirn säubert sich von alten Vorstellungen und Haltungen. Viele Menschen versuchen, diese Phase zu vermeiden, um Unsicherheiten aus dem Weg zu gehen. Ohne diese fünfte Phase gibt es jedoch keine Veränderung.

Hier löst Du Dich über Schwellenemotionen wie Angst, Groll, Frust oder Trauer vom Vergangenen und wendest Dich dem Neuen zu. Drückst Du Dich vor diesem notwendigen Schmerz, dauert die Veränderung unnötig lange.

Nach sechs Monaten sieht sie ein, dass es keinen Zweck hat ihren Mann zurückzugewinnen und meldet sich bei einer Online Dating Agentur an. Einige Wochen früher hätte Sie sich diesen Schritt nicht vorstellen können. Obwohl das Online Dating enttäuschend ist, lernt Sie mit den Verabredungen viel über sich.

Beispielsweise welche Werte sind mir wichtig? Was mag ich oder was mag ich nicht?


6. Station: Öffnung, Neugier, Ausprobieren: Da geht’s lang

Hurra! Die Neugier erwacht. Dein Kopf ist für neue Lösungsansätze frei, weil Du Dich nicht mehr an Vergangenes klammerst. Du lernst wie ein Kleinkind bei den ersten Schritten: Erst geht es stolpernd und noch unsicher voran, dann geht es immer besser.

Während Du neues ausprobierst, machst Du Fehler aus denen Du lernst. Genau diese Fehler helfen Dir, eine geeignete Strategie für Dein weiteres Leben zu entwickeln.

Ella lernt Thomas kennen und hat wieder Schmetterlinge im Bauch. Nach der Trennung von Frank hat sie nicht mehr daran geglaubt, sich nochmal verlieben zu können.

Gleichzeitig hat sie Angst vor Verletzungen. Trotzdem nimmt sie all ihren Mut zusammen und beginnt eine Affäre mit ihm. In dieser Beziehung schafft sie die emotionale Lösung von Frank.

Von Thomas erhält sie das, was im letzten Jahr mit Frank fehlte. Komplimente, guter Sex, flirten, Zärtlichkeiten, liebevolle Nachrichten und Abenteuer.

Es dauert eine Weile, bis sie den Kopf frei hat. Als es soweit ist, entscheidet sie sich im Haus zu bleiben. Ella regelt ihre Finanzen, kümmert sich um einen Notarvertrag und ein neues Darlehen. Sie zahlt Frank aus und lässt das Haus auf ihren Namen umschreiben.

Frank kümmert sich nicht um diese Angelegenheiten. Es beschleicht Sie das Gefühl, dass sie – ohne ihre Initiative – noch in der gleichen Situation wie Weihnachten 2017 wäre. Es wäre nichts passiert.

Sie trifft eine weitere, wichtige Entscheidung: Mit der Familie stellt sie die Gespräche um Frank ein und er ist nicht mehr Gesprächsthema Nummer 1.

Im letzten Halbjahr 2018 geht es ihr körperlich und seelisch besser, weil sie ihr Leben in die Hand genommen und viele gute Entscheidungen für sich getroffen hat. Inzwischen besteht ihr soziales Netzwerk aus vielen treuen Freunden und Bekannten. Dazu gehört auch Thomas, der ihr trotz Trennung ein zuverlässiger Freund bleibt.

Zum Jahresende lernt Ella Michael kennen und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Nach 8 Wochen beendet Michael die Beziehung und Ella erlebt eine absolute Niederlage.

In Ella kommen die gleichen Gefühle hoch, wie Weihnachten 2017 als Frank sie verlassen hat.

Im Coaching arbeitet Ella heraus, dass sie schnell bereit ist für eine Partnerschaft alles aufzugeben. Sie lernt, dass sie mehr auf ihre Bedürfnisse achten und trotz Partner ihre sozialen Kontakte aufrechterhalten möchte.

7. Station: Integration, Selbstvertrauen: So geht es!

Du empfindest Enthusiasmus und erlebst eine Phase des absoluten Hochgefühls. Der Weg ist frei für das Neue. Diese Phase kann euphorisch ausfallen.

Das Tal ist durchschritten, Du hast gelernt und übernimmst neue Verhaltensweisen in Dein Handlungsrepertoire.

Dein Mut den entscheidenden »ersten Schritt« zu gehen, bringt Dir Zufriedenheit.

Deine Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsweisen werden bewusster und gelassener. Du spürst ein gesteigertes Selbstvertrauen und hast einen Bauplan für Deine Veränderung. Den kannst Du jederzeit herausholen und nutzen.

Und Du stellst Dich darauf ein, dass es in der Folgezeit Rückschläge geben wird. Die kommen – und sie sind wichtig.

Hallo, hier schreibe ich Dir im Rückblick, wie ich meine letzten Monate empfunden habe. Sicherlich habe ich vieles alleine geschafft. Ich hatte aber auch Sabina als Coach, meine Familie und Thomas.

Es gab noch Stephan aus Fulda, der zur gleichen Zeit von seiner Frau verlassen wurde. Mit dem ich nach wie vor in Kontakt stehe. Er hat mir die männliche Seite erklärt und beschrieben bzw. macht das heute noch.

Die vielen, unterschiedlichen Gespräche mit beiderseitigem, riesigem Verständnis haben mir geholfen und ich bin sehr dankbar dafür.

Es gab auch verständnisvolle Arbeitskolleginnen. Als ich soweit war, bin ich Ihnen offen gegenübergetreten und habe gesagt: „Leute so sieht es aus. Ich bin von meinem Mann verlassen worden. Es kann sein, dass ich nicht mehr 100 % performen kann“. Hier habe ich ebenfalls Verständnis und Unterstützung gefunden.

Überhaupt bin ich immer auf Unverständnis gestoßen, was die Entscheidung meines Mannes anging. Kann nur noch mal sagen, dass ich nicht unglücklich mit Frank war. Ich habe nichts vermisst. Hätte mit ihm die Höhen und Tiefen meistern wollen. Was in 14 Jahren bereits so gelaufen ist.

Andererseits möchte ich nicht mehr mit einem so verschlossenen Mann zusammen sein. Ich habe für mich festgestellt, dass ich mir Gespräche auf Augenhöhe wünsche. Einen Partner, der über seine Gefühle redet und Probleme anspricht. Ich bin definitiv eine Freundin von „Klartext“ geworden. In der Ehe war ich eher der „Unter-den-Teppich-Kehren-Typ“.

Trotzdem fühle ich mich nach wie vor alleine. Hier mein aktueller Lieblingsspruch:

Einsam ist der, der für niemanden die Nummer eins ist!

Helene Deutsch (1884 – 1982), Psychoanalytikerin.

Die Suche nach einem Partner werde und möchte ich nicht einstellen. Die Online-Dating-Erfahrungen waren enttäuschend und ich habe Fehler gemacht. Diese möchte ich nicht wiederholen, aber auch nicht missen, da sie sehr lehrreich sind.

Zwar gehe ich nicht mehr unbeschwert an die Dinge heran, weil ich negative Erfahrungen gemacht habe. Dafür gebe ich besser auf mich Acht und grenze mich klar ab. Ich habe die Rolle der aufopfernden Partnerin abgelegt und bin stolz auf mich.

Mein neues Leben ist ungewiss und gleichzeitig voller Möglichkeiten. Ganz hinten in meinem Kopf reift die Idee, Hamburg zu verlassen. Das Haus zu vermieten.

Nach Bayern zu ziehen, um dort in einer Frühstückspension zu arbeiten. Vielleicht mache ich mich selbständig und eröffne eine eigene Frühstückspension. Das habe ich mir schon immer gewünscht.

Wie sagt Sabina so schön: „Alles kommt zu seiner Zeit.“
Meine Reise geht noch weiter und ich bin gespannt, was mir das Leben bringt.


Deine Ella.


Schreib mir, wie Deine Persönlichkeitsentwicklung gestartet ist oder auf welcher Station Du gerade zu finden bist!

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